Man kann ja mal spekulieren, was uns die geplanten Studiengebühren bringen werden. Dazu muss man nicht etwa in die Glaskugel schauen, sondern kann sich an den Zitaten unserer Politiker orientieren. Dabei hilft ein kleiner Trick: Man muss nur das Gegenteil von dem annehmen, was die Politiker beteuern oder die Hälfte, die sie verschweigen, dazudenken. Dann mal los:
- “Die Studiengebühren kommen ausschließlich den Universitäten zugute.” Das glaube ich gerne. Allerdings: Um den Betrag, den die Studiengebühren ausmachen, werden die öffentlichen Gelder für die Hochschulen gesenkt. Das hilft ordentlich den Landeshaushalt sanieren, bringt den Universitäten aber keinen Taler mehr ins Säckel.
- “Durch die Studiengebühren erhöht sich die Qualität in der Lehre.” Das kann nicht funktionieren, da es ja unterm Strich eben nicht mehr Geld gibt (s.o.).
- “Studierwilligen aus Familien mit geringem Einkommen werden die Studiengebühren erlassen.” Da brauchen wir gar nicht soviel Angst davor haben, denn unser Schulsystem sorgt schon im Vorfeld dafür, dass es nicht allzuviel Studenten aus solchen Familien gibt. Die Pisa-Studie bescheinigt uns da bez. der sozialen Auslese erstaunliche Effizienz. Außerdem ist es nur konsequent, wenn dieses unseres System des Bildungsdarwinismus nun auch auf die Hochschulen ausgedehnt wird.
- “Die Hochschulen können selbst darüber entscheiden, wie hoch die Studiengebühren sind.” Daran habe ich keinen Zweifel, aber sie können das nicht nur, sondern sie müssen es vielmehr. Damit schiebt die Politik den schwarzen Peter an die Hochschulen, die viele Fragen klären müssen: Wer muss Studiengebühren zahlen, wer nicht, welche Ausnahmen gelten, wie werden ausbleibende Zahlungen sanktioniert u.v.m. Dazu wird ein entsprechender bürokratischer Apparat geschaffen werden, der von den Hochschulen unterhalten werden muss. Da kann man von den Studiengebühren gleich wieder einen hohen Betrag für Verwaltungskosten abziehen.
- “Es ist nicht einzusehen, warum Bundesbürger, die nicht studieren oder keine studierwilligen Kinder haben, mit ihren Steuern die Universitäten finanzieren sollen.” Dieses Argument hat einen gewissen Charme. Da nun in vielen Bundesländern die Studiengebühren sicher kommen werden, darf man gespannt sein, um welchen Betrag die Steuerlast für derartige Bürger sinken wird, da sie nun ja keine Hochschulen mehr finanzieren müssen.
Ich habe nur einen Wunsch, o Herr: Bitte stärke dem deutschen Wählervolk das Langzeitgedächtnis, damit es bis zu den nächsten Wahlen nicht vergißt, welchen Politikern es derartige “Reformen” zu verdanken hat!