In Ravensburg gibt es eine Burg, die Veitsburg. Sie liegt auf dem sog. Burgberg und hat, wie soll es anders sein, eine lange bewegte Geschichte. Irgendwann wurde die Burg einmal zerstört. In ihren Resten befindet sich heute eine Jugendherberge. Daneben wurde Anno Dunnemals ein Rokokoschlößchen errichtet, in dem heute ein "Höhenrestaurant" betrieben wird. So weit, so gut. Momentan plant die Stadt, das Veitsburgareal umzubauen. Unser Heimatblatt, die Schwäbische Zeitung, liess es sich nicht nehmen, ein Foto des Gewinners der entsprechende Architektenwettbewerbes zu veröffentlichen und das Volk ("die Leser") dazu zu befragen. Inhaltlich hat mich die Debatte wenig überrascht, natürlich waren die Meisten dagegen. Ravensburger haben oft ihre Schwierigkeiten mit Dingen, die neu sind und die sie nicht auf Anhieb verstehen ("Gefragt seien wieder mehr Erker, bunte Dachplatten und verspielte Winkel"). Das "Was" der Debatte war vorauszusehen, das "Wie" fand ich jedoch einigermaßen schockierend. Ich hatte mitunter den Eindruck, hier spricht der Mob. Gott sei Dank waren die verantwortlichen Architekten nicht in der Stadt, sie wären vermutlich geteert und gefedert worden. Da wird der Entwurf mit einer Justizvollzugsanstalt verglichen, sogar Schmähgedichte wurden verfasst. Diese "Streitkultur" lässt mich immer wieder daran zweifeln, ob etwas anderes als repräsentative Demokratie in Deutschland überhaupt möglich ist. Schade, aber so ist das eben.