Sinn und Unsinn von Prognosen

Ich weiß nicht mehr in welchem Buch ich diese Geschichte einmal gelesen habe. Der Autor erzählte von Auguren im alten Rom. Wie wir wissen, waren diese angesehene Priester, die in den Eingeweiden von Opfertieren, wie z. B. Gänsen die Zukunft zu lesen verstanden. Da schütteln wir uns als heutige Menschen natürlich vor Lachen. Bedenken Sie aber, dass Sie wahrscheinlich ohne ein 12-semestriges Studium an einer Auguren-Kaderschmiede nie in die besseren Augurenkreise aufgestiegen wären. Manches ist heute anders. Ersetzen Sie Auguren durch Wirtschaftsexperten, Gänse durch Laptops und Eingeweide durch Exceltabellen. Eines aber hat sich überhaupt nicht geändert:

You simply don’t know.

Eine Binsenweisheit, sollte man meinen. Dennoch sind wir ganz geil wild auf Prognosen, möglichst auf düstere. Warum das so ist, untersucht die Tagesschau: Prognosen auf dem Prüfstand. Wenn Sie bei diesem Thema noch lachen können wollen, dann schauen Sie, was Volker Pispers zu Prognosen meint.

Im Süden nichts Neues

Kürzlich erst stellte unsere Bundeskanzlerin die Unterversorgung Oberschwabens bei der Infrastruktur fest. In der Samstagsausgabe der Schwäbischen war nun zu lesen: Aus der B30 Süd wird vorerst nichts. Weiter steht im Text:

In der Sache enttäuscht, aber nicht überrascht zeigte sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Ulrich Müller aus Ravensburg, früherer Landes-Verkehrsminister.

Genau so ist es. Hat tatsächlich jemand etwas anderes erwartet? Wer macht eigentlich die Lobbyarbeit für unsere Region in Berlin? Still ruht der See.

Wirtschaftspsychologie

Heute morgen ist bei der Tagesschau ein Interview mit dem Unternehmensberater und Wirtschaftspsychologen Wilfried Neun zu lesen: Das Konjunkturpaket bringt nichts. Neun beklagt darin:

Zum anderen haben es die Politiker versäumt, mit eigener Begeisterung und eigener Euphorie für das Paket zu werben. Das schafft natürlich keine positive Stimmung.

Ja, die Deutschen und der Optimismus, ein Oxymoron sozusagen. Auf der Metaebene trifft dies allerdings auch auf dieses Interview zu. Neuner fordert positive Stimmung in einer Sprache, die zu Staatsbegräbnissen passt. Was er von den Politikern fordert, kann er auch nicht. Schade.

Der deutsche Babyboom

Die Welt vermeldet heute: Ursula von der Leyen ist stolz auf ihren Baby-Boom. Weiter im Text:

Zwar geht es nur um einige tausend Babys, aber man kann durchaus von einer Trendwende sprechen.

Mir taten die Statistiker und ihre Wissenschaft schon immer leid. Ich glaube es gibt, keine Disziplin, die von derart vielen Interessengruppen im eigenen Sinn zurechtgebogen und mißbraucht wird. Die Stellungnahme von Professor Frank Stoz, Leiter der Frauenklinik in Ravensburg, fiel vorgestern in der Schwäbischen Zeitung dementsprechend anders aus:

In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 hatten wir bei bundesweit 517 000 Geburten ein Plus von 0,5 Prozent. Dann von einem Aufschwung oder Mentalitätswechsel zu sprechen, ist schlichtweg eine Verarschung der Bevölkerung. Das ist eine ganz normale Fluktuation, die für die Politik ausgeschlachtet wird.

Sie haben richtig gelesen, der angesehene Mediziner spricht von Verarschung der Bevölkerung. Klarer geht es wohl nicht mehr.

Sehen, ohne zu sehen, hören, ohne zu hören

In den vergangenen Tagen gab es in Ravensburg eine sogenannte Vesperkirche, zu der ausdrücklich alle Schichten der Bevölkerung eingeladen wurden. Auf diese Weise trafen sich Menschen, die sich sonst wohl nie begegnet wären. Natürlich waren auch Menschen in der Kirche, die nicht unbedingt zu den Bedürftigen gehören. Das war ja durchaus beabsichtigt, Zweck der Sache. “Für alle offen”, hieß das Motto. Heute gab es dazu in unserem Heimatblatt einen Leserbrief dazu. Zitat:

Schon aus Solidarität den Spendern und den freiwilligen Helfern gegenüber sollte in Zukunft dieser Missbrauch der Teilnahme durch eine entsprechende Kontrolle, in welcher Form auch immer, begegnet werden.

Es gibt Zeitgenossen, die merken nichts mehr, die sind einfach schmerzlos… :mad:

World Café wörtlich genommen

Gesehen im Red Victorian Peace Café in San Francisco…

Meine Tochter auf dem Titelblatt der NEON

Hat rein gar nichts mit diesem Webblog zu tun, muss vom stolzen Vater aber trotzdem erwähnt werden: Julianne auf dem Titelblatt der NEON.

Brauchen wir interkulturelles Training?

Ich habe mich früher schon gefragt, welches interkulturelles Training wohl die ersten Gastarbeiter genossen, die in den 1950er und 60er Jahren aus Südeuropa nach Deutschland kamen. “Trial and Error” wird die Devise wohl gelautet haben. Christina Werum-Wang stellt sich ebenfalls die Frage, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen interkulturelles Training Sinn macht: Zwischen den Kulturen: Worauf lassen wir uns ein? Der Aufhänger sind die berühmten 36 Strategeme, die so oft zitiert werden, wenn vom Umgang mit Chinesen die Rede ist. Ihr Fazit u.a.:

Vorbereitung auf China? Interkulturelles Training? Dabei kann es „nur“ um Sensibilisierung für eigenes, erlerntes und für situationsadäquates Verhalten gehen – um nicht „mehr“, aber auf keinen Fall weniger. Wer ehrlich ist, gibt zu, dass dies ein langer Prozess ist, dass das nicht in zwei Tagen und schon gar nicht aus Büchern zu lernen ist, und dass er dabei mehr über sich selbst als über das Fremde lernt.

Kulturelle Achtsamkeit, darum geht es. Und die bekommt man tatsächlich, indem man aus der Außenperspektive den Blick auf sich selbst richtet.

Inkompetenz oder Fahrlässigkeit?

Gestern hatte ich auf der Jahrestagung des VBPV die Gelegenheit, einen interessanten Vortrag von Dr. Martin Hüfner zu hören: “Geht uns das Geld aus? - Unternehmen im Spannungsfeld von Rezession und Finanzkrise” In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf, warum eine Insolvenz der Hypo Real Estate denn so undenkbar sei. Die Antwort kam prompt und war einleuchtend: Weil ebenjene Bank eine immens große Anzahl von Pfandbriefen hält. Und die sind sakrosankt, aus gutem Grunde. Ich glaube, viele der Zuhörer hatten wie ich in diesem Moment ein Aha-Erlebnis, wie die Psychologen sagen. Bei unserem Ministerpräsidenten Günther Oettinger steht dieses Aha-Erlebnis offensichtlich noch aus. Er denkt darüber nach, die HRE pleite gehen zu lassen. Nun gut, denkt sich der Bürger, er hat eben noch nicht die Gelegenheit gehabt, Martin Hüfner oder einen anderen Fachmann zu hören. Doch hier belehrt uns ein Blick in die Wikipedia eines Besseren:

Nach dem Abitur in Korntal absolvierte Oettinger ein Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen, welches er 1978 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem zweiten Staatsexamen 1982 war er zwei Jahre bei einem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater tätig. Seit 1984 arbeitet er als Rechtsanwalt in einer Wirtschaftsprüfer- und Anwaltskanzlei, deren Mitinhaber er seit 1988 ist.

Nun staunt der Laie, denn offensichtlich ist unser Ministerpräsident ausgewiesener Fachmann. Er weiß also, von was er spricht. Oder doch nicht? Oder er weiß es, sagt aber etwas anderes? Ich gebe zu ich bin verwirrt. Andere offensichtlich auch: Viel Lärm um Nichts.

Google kauft eine Papierfabrik

Jetzt wird es ja wirklich interessant. Wie Golem vermeldet, kauft Google StoraEnso in Finnland eine Papierfabrik ab. Wer aber meint, “neue Medien treffen alte”, irrt sich:

Dass Google die Papierfabrik kauft, um in das Druckgeschäft einzusteigen, ist indes nicht zu erwarten. Die Produktionsstätte ist seit Januar 2008 stillgelegt und wird nach Angaben von Stora Enso nicht wieder in Betrieb genommen. Google plane vielmehr, auf dem Grundstück ein Rechenzentrum zu errichten, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck Golem.de.

Ich hätte mich auch schwer gewundert. Wie auch immer, der Vorgang ist geradezu sinnbildlich für die Entwicklung bei der Herstellung von Druckpapieren. Schade nur, dass uns diese Lösung nicht für Baienfurt eingefallen ist.

Nächste Seite »