Wie man eine Community aufbaut

Ich habe lange überlegt, wie ich das Wort “Community” übersetzen könnte und muss gestehen, mir ist nichts rechtes eingefallen. Manchmal ist es vielleicht besser, den Ausdruck einfach stehen zu lassen. Wie auch immer, auf der Website The Community Tool Box lernen Sie ein Vielzahl von Methoden kennen, mit denen Sie Communities bilden und unterstützen können. Aus der Beschreibung der Website:

The Community Tool Box is the world’s largest resource for free information on essential skills for building healthy communities. It offers more than 7,000 pages of practical guidance in creating change and improvement, and is growing as a global resource for this work.

Tatsächlich ist die Tool Box eine der umfangreichsten Angebote, auf die ich zu diesem Thema gestoßen bin. Eine wahre Fundgrube an Methoden und Interventionsmöglichkeiten.

Mein-Geld-meine-Stadt

Wie überall in Baden-Württemberg stehe auch in Ravensburg demnächst Stadtratswahlen an. Die Freien Wähler gehen mit der Zeit und haben unter dem merkwürdigen Namen “Mein-Geld-meine-Stadt” ein Forum ins Netz gestellt, auf dem Bürger die Kandidaten zu allerlei Themen befragen können. Die Namenswahl allein wäre schon einen eigenen Artikel wert. Man könnte z. B. darüber sinnieren, die Oberschwaben die Kommunalpolitik hauptsächlich aus der Perspektive ihres eigenen Geldbeutels betrachten. Oder ob die Reihenfolge im Namen etwas zu bedeuten hat.

Nun besinnen sich die Freien Wähler also auf die basisdemokratischen Aspekte der Politik und wollen zumindest vor den Wahlen mit dem Forum die viel beschworene Partizipation der Bürger fördern. Das ist zwar löblich, wird aber wahrscheinlich nichts, liebe Forumsbetreiber:

  • Vorgestern habe ich mich auf dem Forum registriert und zwei Fragen gestellt. Bis heute sind sie noch nicht auf dem Forum zu sehen, denn sie müssen erst von einem Moderator freigeschaltet werden.
    Wenn es schon mehr als zwei Tage dauert, die Fragen zu veröffentlichen, wie lange wird es dann wohl bis zu den Antworten dauern? Merke: Das Internet ist ein schnelles Medium.
  • Foren brauchen eine kritische Masse an Beteiligung, damit sie “laufen”. Wer weiß überhaupt von diesem Angebot? Wer verbindet diese merkwürdige URL mit den Freien Wählern und der Stadtratswahl? Folgerichtig tut sich bis heute eher wenig bis nichts auf dem Forum.
  • Foren sind dazu da, eine Diskussion auszulösen und weiter zu spinnen (Thread). Momentan stellt sich die ganze Veranstaltung eher dar wie “Bürger fragen, Politiker antworten”. Im übrigen unterscheiden sich die Antworten, die bislang gegeben wurden, wenig von den offiziellen Statements, die in der Presse zu lesen sind. Ich möchte auf einem Internetmedium etwas mehr über dem Kandidaten als Mensch erfahren. Auf die Weise, wie Menschen eben miteinander kommunizieren. Social Media heißt das Stichwort.
  • Und da sind wir bei der Frage, ob ein Forum das Mittel der Wahl ist, um mit den Bürgern tatsächlich in Kontakt zu kommen. Vielleicht wäre ein Weblog zweckmäßiger gewesen. Die Kandidaten äußern sich in bestimmten Abständen zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen, die Bürger können in den Kommentaren Rückfragen stellen oder ihre Meinung äußern. Allerdings gehen dann die Kandidaten in Vorleistung, nicht so wie jetzt die Bürger. Das mag unangenehm sein, denn man hängt sich aus dem Fenster.

Fazit: Die Absicht ist lobenswert, an der Umsetzung hapert es. Das Internet ist eine ganz eigene Geschichte, etwas zu machen, nur “weil man es heutzutage so macht” ist nicht unbedingt zielführend. Dennoch ist das Forum ein erster Schritt in die richtige Richtung. Immerhin.

Die Nachrichten-Timeline von Google

Also manchmal finde ich die Angebote von Google schon spannend. Mit der Google News Timeline können Sie sich Nachrichten zu einem Stichwort, das Sie vorgegeben haben, auf einem Zeitstrahl anzeigen lassen. Ich wollte schon immer mal Entwicklungen nachverfolgen können, insbesondere die Prognosen unser Wirtschaftsexperten. Jetzt fehlt noch, dass man die Ergebnisse abspeichern oder einbetten kann. Kommt sicher noch. Irgendwann.

[via Presurfer]

Interessante Konferenzen

Vielleicht ist das eine oder andere für Sie dabei, sollten Sie sich für Veränderungsprozesse interessieren:

Am Politcamp nehme ich teil, vielleicht treffen wir uns. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie da sind.

Ein Unternehmer zur Krise

Albert Wasmeier, der geschäftsführende Gesellschafter bei Rafi heute in der Schwäbischen Zeitung:

„Glaskugelprognosen“ gebe es schon genug, er wolle sich an solchen Spekulationen zum Ende der Wirtschaftskrise nicht beteiligen. Jetzt sei es wichtig, dass trotz des weiterhin vorhandenen Abwärtsrisikos für die deutsche Wirtschaft, „Mitarbeiter nicht panikartig freigesetzt werden die zuvor mit großem Aufwand qualifiziert wurden. “

Hoffentlich haben das die Kollegen von Herrn Wasmeier, insbesondere in den großen Konzernen, auch gehört.

Open Space Technology in Videos

Auf Open Space World gibt es eine kleine Sammlung von Links zu Videos über die Open Space Technology. Falls Sie selbst entsprechende Videos besitzen oder wissen, wo weitere zu finden sind, melden Sie sich doch bitte mit einem Kommentar zu dem Beitrag. Unten ein Beispiel aus Haiti von unserem Kollegen John Engle.

[via Chris Corrigan]

15 mißglückte Prognosen

Schadenfreude ist die schönste Freude und ich kann sehr schadenfroh werden, wenn ich sehe, wie sich die sogenannten Experten beim Prognostizieren ins Knie schießen. Oddee hat in einem Beitrag die kuriosesten schief gegangenen Weissagungen gesammelt: 15 Failed Predictions about the Future. Unter den Kaffeesatzlesern ist alles dabei, was Rang und Namen hat, von Margaret Thatcher bis Lord Kelvin. Letztere Prognose ist besonders bemerkenswert, er meinte im  Jahr 1895:

“Heavier-than-air flying machines are impossible.”

Bemerkenswert deshalb, weil ein Blick aus dem Fenster genügt, um die Behauptung Kelvins zu widerlegen. Schließlich sind Vögel auch schwerer als Luft. Der Volksmund nennt so etwas “den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen”.

Printmedien im digitalen Zeitalter

Ein interessanter Beitrag zur Zukunft von Zeitungen.

[via Markus Albers]

Der Bullshit-Detector

Auf den Bestseller von Harry G. Frankfurt mit dem bezeichnenden Titel “Bullshit” habe ich vor einigen Monaten an dieser Stelle bereits hingewiesen. Mittlerweile gibt es im Internet ein Programm, das automatisch Bullshit entdeckt, wenn auch nur in englischer Sprache: The Bullshit Detector. Sie müssen lediglich die URL der Website angeben, die Sie untersuchen lassen wollen und nach kurzer Zeit werden Ihnen die entsprechenden Hinweise in kleinen gelben Wolken angezeigt. Schade, dass es sowas nicht in Deutsch gibt. Ich hätte gerne mal die Websites unserer Ministerien überprüft.

[via Presurfer]

Kultur beschreiben

In gewissen Abständen erscheint in unserem Heimatblatt eine Kolumne, in der das kulturelle Leben in Ravensburg unter die Lupe genommen wird: Kultur leben. Letzten Montag schrieb der Kulturschaffende Wolfram Frommlet den Beitrag. Thema war das öffentliche Gedächtnis und wie es seinen Ausdruck in der Benennung öffentlicher Gebäude oder Straßen findet. Frommlet bedauert, dass es in Weingarten eine Bauernjörg-Straße gibt. Bauernjörg, “ein Bauernschlächter, gegen dessen Namensgebung sich Bewohner vergeblich gewehrt hatten.” Dem stimme ich uneingeschänkt zu. Ich habe mich schon als Kind gefragt, warum nur die eine Seite des Konflikts zu solchen Ehren kommt, die andere aber nicht. Nun, es scheint Korrekturen zu geben, wie in dem Beitrag zu lesen ist.

Im weiteren Verlauf des Artikel schreibt sich Frommlet langsam in Rage, er mokiert sich darüber, dass eine Straße nach Freiherr Manfred von Richthofen benannt ist, dem “Kriegshelden” (Anführungszeichen von ihm). Man kann über das Kriegsheldentum trefflich streiten, ich halte davon bestimmt so wenig wie Frommlet. Dennoch: Bei unseren Nachbarn ist die Erinnerungen an derlei “Kriegshelden” völlig normal und verursacht keinerlei Aufgeregtheiten. Im National Air and Space Museum in Washington ist sogar Richthofens roter Dreidecker ausgestellt, wie ich selbst gesehen habe. So what?

Frommlet kann nun nichts mehr halten, er schreibt:

Es gibt auch noch einen Platz für den Militaristen, der Hitler unbedingten Gehorsam schwor, für Hindenburg.

Hindenburg spielte bei der Machtergreifung Hitlers eine zweifelhafte Rolle und auch ich bin der Meinung, man sollte keine Straße nach ihm benennen. Dennoch ist der o.a. Satz grober Unfug. Zu keiner Zeit hat Hindenburg Hitler unbedingten Gehorsam geschworen. Weder gehorchte der Generalfeldmarschall dem Gefreiten noch der Reichspräsident dem Reichskanzler, unbedingt schon gar nicht. Da stand wohl der Übereifer der Sorgfalt im Wege. Das erinnert mich ein bisschen an Frommlets berühmten Kollegen Fritz J. Raddatz, der Goethe mit dem Zug in den Frankfurter Bahnhof einfahren ließ.

Fazit: Der Artikel ist gut gemeint, aber nicht gut. Schade.