In gewissen Abständen erscheint in unserem Heimatblatt eine Kolumne, in der das kulturelle Leben in Ravensburg unter die Lupe genommen wird: Kultur leben. Letzten Montag schrieb der Kulturschaffende Wolfram Frommlet den Beitrag. Thema war das öffentliche Gedächtnis und wie es seinen Ausdruck in der Benennung öffentlicher Gebäude oder Straßen findet. Frommlet bedauert, dass es in Weingarten eine Bauernjörg-Straße gibt. Bauernjörg, “ein Bauernschlächter, gegen dessen Namensgebung sich Bewohner vergeblich gewehrt hatten.” Dem stimme ich uneingeschänkt zu. Ich habe mich schon als Kind gefragt, warum nur die eine Seite des Konflikts zu solchen Ehren kommt, die andere aber nicht. Nun, es scheint Korrekturen zu geben, wie in dem Beitrag zu lesen ist.
Im weiteren Verlauf des Artikel schreibt sich Frommlet langsam in Rage, er mokiert sich darüber, dass eine Straße nach Freiherr Manfred von Richthofen benannt ist, dem “Kriegshelden” (Anführungszeichen von ihm). Man kann über das Kriegsheldentum trefflich streiten, ich halte davon bestimmt so wenig wie Frommlet. Dennoch: Bei unseren Nachbarn ist die Erinnerungen an derlei “Kriegshelden” völlig normal und verursacht keinerlei Aufgeregtheiten. Im National Air and Space Museum in Washington ist sogar Richthofens roter Dreidecker ausgestellt, wie ich selbst gesehen habe. So what?
Frommlet kann nun nichts mehr halten, er schreibt:
Es gibt auch noch einen Platz für den Militaristen, der Hitler unbedingten Gehorsam schwor, für Hindenburg.
Hindenburg spielte bei der Machtergreifung Hitlers eine zweifelhafte Rolle und auch ich bin der Meinung, man sollte keine Straße nach ihm benennen. Dennoch ist der o.a. Satz grober Unfug. Zu keiner Zeit hat Hindenburg Hitler unbedingten Gehorsam geschworen. Weder gehorchte der Generalfeldmarschall dem Gefreiten noch der Reichspräsident dem Reichskanzler, unbedingt schon gar nicht. Da stand wohl der Übereifer der Sorgfalt im Wege. Das erinnert mich ein bisschen an Frommlets berühmten Kollegen Fritz J. Raddatz, der Goethe mit dem Zug in den Frankfurter Bahnhof einfahren ließ.
Fazit: Der Artikel ist gut gemeint, aber nicht gut. Schade.