Journalisten geht offenbar die Düse

Auf dem ersten Schweizer Barcamp in Zürich hatte ich Gelegenheit, eine Präsentation des Machers von krusenstern.ch, Jürg Vollmer, zu erleben: Machen Blogger die Journalisten überflüssig? 

Vollmer hatte damals mit dem Titel seines Vortrags auf den Punkt gebracht, um was es bei der Schelte vieler Journalisten gegen das Internet geht: Um schiere Existenzangst nämlich. In Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, war die Verbreitung der eigenen Meinung nahezu ausschließlich den Profis vorbehalten. Die anderen Menschen hatten schlicht keinen Zugang zu den Vervielfältigungsmitteln. Auch das Internet war für die Journalisten keine Gefahr, so lange der Zugriff auf Portale nur beschränkt zugänglich war. Nun aber geht ein Gespenst um in Europa und der Welt, das social web nämlich, in Form von Weblogs und Wikis. Plötzlich kann jeder, der will, seine schriftlichen Erzeugnisse selbst und ohne großen Aufwand verbreiten, das Zugangsmonopol zu den entsprechenden Medien ist unwirksam geworden. Und nun geht auch die Angst um bei den Profis, die Angst vor der eigenen Überflüssigkeit. Angst trägt oft den Mantel der Aggressivität, das wissen wir längst. Ein neues Beispiel hierfür liefert Michael Konken, der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes. Wie immer wird gerne die "Qualität" bemüht, wenn die Bloggosphäre angegriffen wird. Unter dem Strich besteht die Kritik an den Bloggern aus der Kernaussage "wo kämen wir da  hin, wenn da jeder schreiben würde?" Stellen die Kaiser etwa fest, dass sie plötzlich ohne Kleider sind? Woher kommen diese Ängste? Wie oft soll man noch sagen, dass viele (die meisten?) Blogger gar nicht den Anspruch haben, mit gelernten Journalisten ins Rennen zu gehen?

Der Journalist Thomas Knüwer hat Konken eine offene e-Mail zu seiner Rede geschrieben, Gott und ihm sei Dank. Ich lese die Beiträge von Herrn Knüwer regelmäßig und frage mich, woher er die Energie nimmt, immer wieder gegen die aus der Angst geborene Dummheit seiner Berufskollegen anzuschreiben. Und beim Lesen seiner Beiträge merke ich immer wieder, dass Blogger wie ich gar keine Konkurrenz für Journalisten wie ihn, Vollmer usw. sein können. Ich hätte nämlich gerne das Können, so wie sie zu schreiben, habe es aber nicht. So what?

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