30.6.2008
Papier vs. Internet und neue Medien?
Fibre Space vs. Cyber Space war der Titel einer Vortragsreihe während der diesjährigen Jahreskonferenz des Vereins Zellcheming. So richtig ausgewogen war das Ganze nicht. Von sechs Referenten wagte nur einer, Ewald Wessling, als Medienwissenschaftler die Außenperspektive. Die anderen Referenten kamen aus der Papierindustrie oder deren Zulieferbetrieben. Mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten malten sie ein positives Bild von der Zukunft des Papiers. Warum auch nicht? Während der ganzen Debatte habe ich mich gefragt, warum hier auf Teufel komm raus ein Gegensatz konstruiert wird, der so vielleicht gar nicht existiert. Vielmehr scheint es doch so zu sein, dass kein neues Medium je ein älteres ersetzt hat. Oder hören Sie als Internet-Nutzer etwa kein Radio mehr? Einschlägige Studien sprechen eine andere Sprache. Dennoch, Verschiebungen wird es geben: Die IATA stellt auf elektronische Tickets um, das Kursbuch gibt es nur noch auf CD-ROM und Amazon macht mit dem Kindle die ersten erfolgreichen Schritte zur digitalisierten Literatur.
Es wird also Veränderungen geben für die Papiermacherei, da hilft es auch nichts, wenn man rhetorische Wagenburgen baut (”Papier??? - Papier!!!”). Es nützt auch nichts, wenn man zum wiederholten Mal Bill Gates zitiert und darauf hinweist, wie er sich doch im papierlosen Büro oder dem Internet getäuscht hat. Solche Zitate gibt es viele. In anderen Dingen hat sich Bill Gates jedoch nicht getäuscht. Und diese haben immerhin dazu geführt, dass Papieringenieure es heute für geboten halten, eine solche Vortragsreihe zu veranstalten.
Solche Aussagen nerven: Die Wikipedia-Autoren würden sich schwarz ärgern, dass Bertelsmann Auszüge ihrer Beiträgen in einem Buch herausgeben will. Da hat wohl der Referent in seinem Eifer das Recherchieren vergessen. Ein Blick in die Wikipedia (!) hätte genügt, um sich über die Zusammenarbeit der Wikipedia Foundation und Bertelsmann zu informieren. Was soll mit solchen Äußerungen bewiesen werden?
Nachdenklich haben mich die Äußerungen von Prof. Schabel vom Lehrstuhl Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik an der TU Darmstadt gemacht. Demnach muss man sich um die Innovationsfähigkeit der deutschen Papierindustrie sorgen, zumindest wenn man die finanzielle Ausstattung zu Grunde legt. Dabei liegen gerade hier die Antworten auf die geschilderten Herausforderungen.
Geschrieben von Stephan um 19:08 unter Allgemein
Hast Du den Vortrag von Prof. Schabel? Das Abstract ist doch ziemlich kurz…
Hallo Jens,
nein, aber nach einer gewissen Zeit bekommen die Zellcheming-Mitglieder die Vorträge auf CD-ROM (Papier!) zugeschickt. Ich lasse Dir den Inhalt dann zukommen.
Stephan