2.1.2009
Matthias Horx über die Sehnsucht nach Katastrophen
Jeder vermeintliche Experte, dem heutzutage eine Klobürste unter die Nase gehalten wird, hält diese für ein Mikrophon. Um die nötige Aufmerksamkeit zu erheischen, werden dann Untergangsszenarien geschildert, die der Apokalypse schon ziemlich nahe kommen. Dabei wird eine alte amerikanische Weisheit stets vergessen: “You simply don’t know”. Insofern sind auch die Zukunftaussagen der Sinns, Walters oder Dudenhöfers nichts anderes als Kaffeesatzleserei auf hohem Niveau.
Anders sieht es mit Matthias Horx aus. Als Zukunftsforscher betrachtet er langfristige Trends quasi auf der Metaebene. Das ist etwas grundsätzlich anderes wie der Blödsinn, für dieses Jahr das Wachstum auf die zweite Stelle nach dem Komma zu prognostizieren. Telepolis hat mit ihm ein bemerkenswertes Interview geführt: Apokalyptisches Spießertum und der nach einer geilen Katastrophe gierende Mediendiskurs. Von Horx stammt auch der Ausdruck “Krisotainment”, dem Übertreiben von entsetzlichen Prognosen, weil der Alarmismus emotional mobilisiert und Aufmerksamkeit erregt. Da befinde ich mich ja mit meiner Ansicht in bester Gesellschaft. Ein Zitat, dass ich gerne den Sinns & Co. hinter den Spiegel stecken möchte:
Wenn sich Prognostiker in die Öffentlichkeit wagen, unterliegen sie sofort einem problematischen Zwang, dem Sensationszwang. Wenn Sie mit Prognosen wahrgenommen werden wollen, müssen Sie jede Art von Unsinn erzählen. Das Beste ist Schwarzmalen, die Apokalypse kommt immer gut, bringt Sie in jede Talkshow – und Sie können nicht unrecht haben, denn wenn es nicht so kommt wie vorausgesagt, dann liegt es daran, dass Sie so gut gewarnt haben.
So ist es!
Geschrieben von Stephan um 13:05 unter Allgemein
Leider ein kleiner Druckfehler in der Überschrift. Ist aber keine KATASTROPHE bei der sonst sehr guten Seite! Ja es ist leider so, dass diese Schwarzmalerei und Kaffesatzleserei zu einer totalen Hysterisierung großer Teile der Gesellschaft führt. Wird es im Schwarzwald schneien, was früher mit Freuden erwartet wurde, so wird heute schon drei Tage zuvor vor einem Schneechaos gewarnt. Kommt ein Gewitter ist der Katastrophenwarnplan des unfrisierten Herrn Kachelmann voll roter Flecken oder gar ganz rot. Ist das Cholesterin im Serum über 200 mg% droht morgen der Infarkt. So geht das weiter… und das Ergebnis ist eine gravierende Zunahme von Erkankungen der Psyche: Depressionen, Panikattacken, Zwangshandlungen etc. Das Leben ist derart gefährlich geworden, dass wir fast sicher sein können, dass es mit dem Tod enden wird. Hier hilft nur: Gar nicht leben!!
O je, Dreckfuhler ist schon behoben. Vielen Dank!