24.10.2005
Sprenger spricht: Bemerkungen zu Teams
Jochen Mai hat in seinem Weblog ein paar, wie er meint, “schöne” Thesen von Management-Guru Reinhard Sprenger veröffentlicht. Sie lauten (Kommentare von mir):
Teams taugen nichts, weil sie immer eine Tendenz zum Kompromiss haben, zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Genies müssen sich verbiegen oder Unbegabten unterwerfen. Weil die Gruppe nach Harmonie strebt, muss jeder kooperativ sein mit dem Effekt, dass Mittelmaß heraus kommt.
Da könnte er recht haben, zumindest weisen die Ergebnisse einiger Untersuchungen der Sozialpsychologie in diese Richtung. Der Haken dabei ist, dass auch Genies ihre Visionen in den seltensten Fällen allein erreichen können. Das hat schon Bert Brecht betont: Was heißt dass, wenn in den Geschichtsbüchern steht, Michelango hat den Petersdom gebaut? Wie muss ich mir Michelangelo vorstellen, mit der Maurerkelle in der Hand etwa?
Etwas anderes: Der einzige Weltstar im deutschen Basketteam, Dirk Nowitzki, reißt regelmäßig seine Mitaspieler zu unerwarteten Leistungen mit. Er erreicht dies wahrscheinlich durch ständiges Sich-Verbiegen und der Einsicht, dass er als alleiniger Spieler gegen gegnerische Mannschaft relativ chancenlos wäre.
Teams fördern Denkfaulheit, weil sie letztlich nur Aufgabenverteilungs-Karussells sind - bis sich niemand mehr verantwortlich fühlt. Wie beim Schulchor: Für einige reicht es, die Lippen zu bewegen. Singen müssen andere. Teams mit mehr als fünf Personen sind deshalb suboptimal. Größere Gruppen nutzen andere nur noch als Bühne zur Selbstinszenierung.
Das kann ich verstehen. Ich habe auch immer Angst, dass ich im Krankenhaus einmal unter das Messer muss und der Chirurg meisterhaft sein Skalpell einsetzt, während der Anästhesist nur die Lippen bewegt. Nicht auszudenken, aber so ist es halt mit den Teams!
Übrigens habe ich mich letztes Mal beim Hören der Wiener Philharmoniker auch schon gewundert, warum der Sound so dünn war. Es stellte sich heraus, dass lediglich der dritte Geiger sein Instrument bedient hatte, während die anderen das Spiel lediglich simulierten. Derartiges erlebt man auch immer wieder im Theater, bei Jazzcombos usw. Und was die Dirigenten für Selbstdarsteller sind, wissen wir schließlich alle.
Teams zügeln de facto den Appetit der Ehrgeizigen. Die Botschaft: Füge Dich ein! Zeige keine Starallüren! Bedrohe nicht die Position Deines Chefs!
Jawohl, mehr Gruppendynamik im Feuerwehrteam beim Löschen! Wenn ich es besser kann als der Kommandant, sollte ich das beim nächsten Einsatz auch deutlich machen, keine falsche Zurückhaltung! Aufstand des Individuums, auch beim der Feuerwehr, im Operationsteam und im Flugzeugcockpit!
Es ist noch nie ein Team befördert worden. Wohl aber einzelne Talente.
Das stimmt. Allerdings bestehen viele Talente bei einem Stellenwechsel darauf, ihr eigenens Team mitnehmen zu dürfen. Das liegt aber eher daran, dass diese Talente Unbegabte mögen und sich gerne verbiegen, um endlich das ersehnte Mittelmaß zu erreichen.
Geschrieben von Stephan um 16:43 unter Management und Führung
[...] Stephan List schreibt dazu in seinem Weblog interessante Gedanken mit Verbindung zur Praxis. [...]